Participatory Design
UCD Glossar
Participatory Design (Partizipatives Design)
Participatory Design ist ein explorativer Designansatz zur Gestaltung menschzentrierter nutzerfreundlicher Produkte, Systeme und Dienstleistungen. Beim partizipativen Design werden vornehmlich kollaborative Designmethoden angewendet, die die Teilhaberschaft unterschiedlicher Design-Stakeholder, wie Nutzer, Manager, Marketingfachleute, Ingenieure oder Designer im Designvorgang erfordern. Ziel ist das gemeinschaftliche Identifizieren und anschließende Auswählen möglicher Richtungen, in die sich der Designvorgang bewegen soll.
Hintergrund: Partizipatives Design basiert auf der Vorstellung, dass sowohl der Designprozess als auch das Designergebnis soziale Konstruktionen sind. Damit unterscheidet sich der Ansatz von der klassischen Vorstellung, nach der bei Designvorgängen ein reines Problemlösen im Vordergrund steht. Design-Probleme liegen allerdings immer nur als Beschreibungen vor und sind damit sozial konstruiert. Problemlösungen sind ihrerseits durch die vormalige Beschreibung des Design-Problems bedingt. Ein dem partizipativen Design zugrunde liegendes Prinzip ist daher, Design-Probleme und Lösungen stets im Kontext ihres Auftretens zu betrachten. Auf diese Weise fließen zusätzliche Aspekte in die Problembeschreibung und -lösung ein, die rein sprachlich und isoliert nicht zu erfassen wären. Daher werden in gemeinschaftlichen Design-Aktivitäten der Nutzungskontext, das Wissen verschiedener Design-Akteure, Designwerkzeuge und -materialien zusammengeführt.
Anwendungsgebiete: Participatory Design kann in vielen Designdomänen angewendet werden: von der Gestaltung von Computersystemen, Weboberflächen, Produkten, Dienstleistungen oder für kommunale Planungen.
Geschichte: Entwickelt wurde der Ansatz in den 1970er Jahren in Skandinavien im Rahmen von gewerkschaftlichen Forderungen zur Demokratisierung von Arbeitsplätzen. Den Werkzeugnutzern selbst sollte ein wichtiger Platz in der Gestaltung ihrer Werkzeuge zukommen. Umgekehrt wurden die Designer gezwungen, sich mit der Wirklichkeit der Arbeiter auseinander zusetzen.
Grundlagen und Prinzipien: Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die gleichrangige Teilhabe sämtlicher Teilnehmer im Participatory Design Prozess, da jeder Teilnehmer als Experte vor seinem jeweiligen Hintergrund angesehen wird. Auf diese Weise stellt Participatory Design eine Form des dialogischen Aushandelns dar. Über einen bestimmten Zeitraum treffen sich die Design-Stakeholder im Rahmen gemeinschaftlicher Aktivitäten (häufig in Workshops) mit dem Ziel, in der Gruppe Design-Möglichkeiten zu identifizieren und in einem Konsens auszuwählen. Partizipatives Design kann über den gesamten Designprozess angewendet werden, von der Konzeptphase bis zum Prüfen der Marktreife eines Produkts. Konsequent angewendet, ist partizipatives Design ein ganzheitlicher Designansatz, der den Gegenstand der Gestaltung, die künftigen Nutzer und die Gemeinschaft der Gestaltenden berücksichtigt.
ergonautek berät seine Kunden bei der Entwicklung von Participatory Design-Aktivitäten. Dabei werden Nutzungsprobleme bei der Interaktion mit Produkten und Dienstleistungen identifiziert und Produkt-Innovationen erarbeitet.
Literatur
Ehn, Pelle, und Morten Kyng, 1987, The Collective Resource Approach to Systems Design. In: G. Bjerknes, P. Ehn, und M. Kyng (Hg.), Computers and Democracy, Brookfield,VT: Gower Press.
Ylirisku, Salu und Jacob Buur, 2007, Designing with Video, Focusing the user-centred design process, London: Springer.
